Medizinmann99
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Bleep.
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« am: 24. September 2006, 23:37:37 » |
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Einleitung
Die Borreliose ist im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) keine virale, sondern eine bakterielle Erkrankung, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi (Borrelien) aus der Gruppe der Spirochäten (schraubenförmige Bakterien) ausgelöst wird. Überträger der Borrelien sind Zecken, die den Erreger, der sich in deren Magen-Darmtrakt befindet, während des Saugaktes nach einigen Stunden - in der Regel in einem Zeitfenster von 4 bis 24 Stunden nach dem Einstich - auf den Menschen übertragen. In Deutschland ist das vor allem die Zecke Ixodes ricinus, auch gemeiner Holzbock genannt. Die Übertragung der FSME-Viren, erfolgt hingegen unmittelbar beim Einstich. Als weitere Überträger der Borrelien werden Mücken und Bremsen genannt. In diesen wurde der Erreger zwar nachgewiesen, aber eine Übertragung ist - nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand - ziemlich unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind möglich.
Neben Borrelien und FSME-Viren können Zecken weitere Erreger übertragen wie z.B. Ehrlichien, Rickettsien und Babesien. Möglicherweise gibt es darüber hinaus bisher noch unbekannte Erreger. Eine Mischinfektion mit Borrelien, FSME und anderen Erregern ist möglich und führt häufig zu schweren Krankheitsverläufen.
Die Zecken kommen entgegen der landläufigen Meinung nicht nur im Wald, sondern auch auf Wiesen, Gärten, Parks, Kindergärten und Spielplätzen mitten in der Stadt vor. Nach entsprechenden Untersuchungen sind bereits - je nach Region - bis zu 50% der Zecken in Deutschland mit Borrelien infiziert.
Während das Vorkommen des FSME-Virus in Deutschland nur auf bestimmte Risikogebiete beschränkt ist, besteht ein hohes Risiko einer Borrelieninfektion flächendeckend in Deutschland, Europa, Amerika, Afrika und Asien. Mit dem FSME-Virus infizieren sich in Deutschland jährlich ca. 300 Personen, wohin die Zahl der Neuerkrankungen mit dem Borrelioseerreger auf über 100.000 geschätzt wird. Deshalb wird die Borreliose häufig als Volkskrankheit oder die Seuche des 21. Jahrhunderts bezeichnet.
Gegen die Borreliose gibt es - anders als bei FSME - keinen zugelassenen Impfstoff und keine Immunität!
Zeckenschutz und -entfernung
Zecken fallen nicht von Bäumen, sie lassen sich in bis zu 1,50 Meter Höhe von ihren Opfern abstreifen. Viele der am Menschen gefundenen Zecken sind Nymphen, gerade mal einen Millimeter groß und mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Schutz bietet eine helle langärmlige und -beinige Kleidung. Auf dieser sieht man sie am besten und je glatter der Stoff ist, umso schlechter können sie sich festkrallen. Insektenabwehrende Mittel aus Apotheke und Drogerie bieten nur bedingt Schutz. Wirksamer ist sorgsames abendliches Absuchen der Haut. Typische Verstecke sind: Kniekehlen, Achseln, Armbeugen, Haaransatz, Ohren, Hals, Brustfalten, Genitalien, Füße und Zehen. Auch das Absuchen der Kleidung - Zecken können in dieser bis zu 48 Stunden überleben - gehört dazu. Um die Zecken abzutöten, sollte man diese 10 Minuten in den Trockner geben. Ebenfalls sollten Hund, Katze & Co - nach im Fell herumkrabbelnden Zecken - abgesucht werden. Diese noch nicht festgesaugten Zecken können beim Streicheln auf den Menschen überwechseln.
Die Entfernung einer Zecke sollte unverzüglich erfolgen und geschieht am besten durch gerades Herausziehen, wobei die Zecke möglichst nah an der Hautoberfläche zu greifen ist. Hierfür eignet sich eine gut schließende L-förmige Zecken-Pinzette oder eine Zeckenkarte. Die Zeckenkarte ist eine scheckkartengroße Schablone aus Kunststoff mit einer Nut, mit der man Zecken heraushebeln kann. So genannte „Zeckenzangen“ sind nicht geeignet, da die Zecke durch ihre großen Greifbacken gequetscht wird. Ein Quetschen des Zeckenkörpers sollte unter allen Umständen vermieden werden um dessen Inhalt nicht „einzuspritzen“ und somit das Infektionsrisiko zu erhöhen.
Keine Panik - aber die Stichstelle und sich selbst nicht aus den Augen verlieren.
!!! Verlauf und Symptome !!!
Die Borreliose ist eine heimtückische Multisystem-Erkrankung, die alle Organe befallen und falls sie nicht rechtzeitig erkannt und ausreichend mit geeignetem Antibiotikum behandelt wird zu lebenslangen chronischen Beschwerden führen kann. Eine Infektion verläuft in mehreren Krankheitsstadien, die fließend ineinander übergehen oder auch übersprungen sowie durch sehr lange freie Intervalle getrennt sein können. Diese freien Intervalle, in denen der Betroffene manchmal völlig beschwerdefrei sein kann, gehören zu den besonderen Charakteristika der Borreliose.
Wegen der unglaublichen, häufig wechselnden, Symptomvielfalt - welche viele andere Krankheiten imitieren kann - wird die Borreliose häufig als „der große Imitator“ bezeichnet. Die „typische“ Borreliose gibt es nicht.
Häufige Fehldiagnosen der Borreliose sind: Psychosomatische Störungen, Arthritis, Gelenkrheuma, Polyarthritis, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Bandscheibenvorfall, Bindehautentzündung, Entzündungen aller Augenteile, Gefäßbeschwerden (Thrombose), Hirnhautentzündung, Karpaltunnelsyndrom, Gelenkentzündungen (alle großen Gelenke, auch Kiefergelenk), Multiple Sklerose, Fibromyalgie, Sehnenscheidenentzündung, HWS-Syndrom (Hals-Wirbelsäulen-Syndrom) und Schlaganfall.
Im 1. Stadium - nach der Übertragung der Borrelien - kommt es zunächst zu einer lokalen Infektion der Haut. Nach einigen Tagen bildet sich um die Einstichstelle eine sich ringförmig ausbreitende Rötung (Erythema migrans, Wanderröte). Häufig tritt nur eine sehr diskrete Entzündungsreaktion auf, die vom Betroffenen übersehen wird. Die Wanderröte ist das einzige klinisch eindeutige Zeichen einer Borrelieninfektion und sollte als Beweis - auf Fotos - gesichert werden. Desweiteren können Ansammlungen weißer Blutkörperchen (Knötchen, Lymphozytome) an Ohrläppchen, Brustwarze, Hoden, Ellenbogen und anderen Stellen auftreten. Die Wanderröte fehlt in ca. 50% der Fälle völlig und die Infektion bleibt oft unbemerkt. Wenige Tage bis Wochen nach dem Stich beginnt die Krankheit mit unspezifischen grippeähnlichen Allgemeinsymptomen wie erhöhter Körpertemperatur, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskel-, Bänder- und Faserschmerzen, Heiserkeit, Schweißausbrüche, Nachtschweiß, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden, Übelkeit und Anderes. Diese Symptome werden häufig als einfache Sommergrippe fehlgedeutet. Wird mit dem Stich eine Blut- oder Lymphbahn getroffen, können diese Symptome vollständig fehlen und Tage/Wochen nach dem Stich ein Übertritt in das 2. Stadium erfolgen.
Im 2. und 3. Stadium – meist einige Wochen bis Monate, beim 3. Stadium auch Jahre, nach dem Stich – kommt es zur Streuung des Erregers. In diesen Stadien zeigt die Borreliose ihr wahres Gesicht und es kann ein völlig buntes Symptombild auftreten: Gelenkentzündungen, Gelenksteifigkeit, starkes Schwitzen (besonders nachts), Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Wirbelsäule, Gehirnfunktionsstörungen (Lähmungen, Doppelbilder, Verlust des Gehörs oder Geruchsinns, Verwirrtheit, Apathie, Sensibilitätsstörungen), Herz (Herzbeutelerguss, Herzentzündung, Herzrhythmusstörungen), Sprech-, Schreib-, Wortfindungsstörungen, Haut (Ekzeme, Entzündungen, Knötchen, Schwellungen, Mundschleimhaut-Entzündungen), Auge (Entzündungen an allen Teilen), Depression, Erschöpfung, Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgien, Frösteln vor und nach Schweißausbrüchen, Gereiztheit, Gesichtsrötungen, Haarausfall, Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen, Desorientierung, Lichtempfindlichkeit, Lymphknotenvergrößerung, Ohrgeräusche, Parkinson-Symptome, Persönlichkeitsveränderungen, Potenzstörungen, Psychische Störungen, Pulsfrequenzerhöhung, Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, Schwindelattacken, Sehstörungen, Spasmen, Traurigkeit, Wundgefühl über den Rippen und andere. !!! Diagnose !!!
Die Diagnose der Borreliose gestaltet sich im Früh- und Spätstadium oftmals schwierig. Besonders wenn der Zeckenstich nicht sichtbar oder erinnerlich ist und die typischen Krankheitsmerkmale, wie die Wanderröte, im Frühstadium ausbleiben und das bunte Symptombild einer Spätphase nicht an eine Borreliose denken lässt. Laboruntersuchungen des Blutes (Serologie) helfen in schwierigen Fällen die Diagnose zu sichern, sind jedoch aus verschiedenen Gründen unzuverlässig.
Zu den Methoden der Borrelien-Labordiagnostik gehören u.a. der Borrelien-Suchtest (ELISA oder IFT), der Borrelien-Bestätigungstest-Test (Western- oder Immunoblot) und der Borrelien-LTT-Test. Schulmedizinisch wird lediglich der ELISA oder IFT, bei dem Antikörper gesucht werden, verlangt. Ist dieser Test negativ, soll keine Borrelieninfektion vorliegen. Dies ist grundsätzlich in Frage zu stellen, da die Borrelien u.a. in der Lage sind sich vor dem Immunsystem zu tarnen. Auch eine frühe Gabe von Antibiotika nach einem Zeckenstich kann die Antikörperbildung unterdrücken, wie auch der Einsatz von Kortison oder Immunsuppressiva. Nachgewiesenermaßen gibt es 27 Ursachen dafür, dass keine Antikörper messbar sind, obwohl eine Borrelieninfektion vorliegt. Des Weiteren kann der Suchtest durch Kreuzreaktion mit anderen Erregern auch falsch positive Ergebnisse liefern. Aus diesem Grund sollte als Bestätigungstest immer ein Westernblot oder Immunoblot durchgeführt werden, in dem die einzelnen Oberflächenproteine der Borrelien und die jeweils gegen sie gerichteten Antikörper genauer aufgespalten werden. Dieser Test liefert zuverlässigere Ergebnisse und kann zusätzlich eine Auskunft über das Stadium der Borreliose geben. Aber auch hier kann es aus den o. g. Gründen zu einem falsch negativen Ergebnis kommen. Das Fehlen einheitlicher, laborübergreifender Standards für die Durchführung des Such- und Bestätigungstests birgt zusätzlich gewisse Unsicherheiten. Zudem muss man sich im klaren darüber sein, dass messbare Antikörper lediglich beweisen, dass ein Kontakt mit Borrelien statt gefunden hat. Ob es sich dabei um eine aktive oder ausgeheilte Infektion handelt, lässt sich alleine mit den Laborergebissen nicht sicher beweisen.
Zusätzliche Sicherheit in der Diagnostik bietet die Einbeziehung von Untersuchungen der zellulären Abwehrmechanismen gegen Borrelien. Mittels eines Borrelien-LTT (Lymphozytentransformationstest) lassen sich gegen Borrelien-Antigene sensibilisierte T-Lymphozyten (Blutzellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören) nachweisen, was beweisend für eine aktive Borrelieninfektion ist, auch bei negativem Such- und Bestätigungstest. Bis heute ist der LTT kein standardisierter Test und nicht unumstritten. Aktuelle Studien in - mit Borrelien-Diagnostik vertrauten - Laboren haben aber gezeigt, dass dieser Test hochspezifisch ist und zuverlässige Ergebnisse liefert. Eine 100%-ige Sicherheit kann aber auch mit diesem Test nicht gewährleistet werden. Fehlinterpretationen dieses komplexen Testverfahrens, ein unterdrücktes oder nicht funktionierendes Immunsystem, sowie Nichteinhaltung der erforderlichen Blutversandbedingungen kann vereinzelt zu falsch negativen Ergebnissen führen. Der Versand des ungekühlten Vollblutes muss in - vom Labor zu beziehenden - Spezialröhrchen erfolgen und die Versanddauer sollte 24 Stunden nicht überschreiten.
Neben der Antikörperbestimmung im Blut (Serum) können diese auch in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) - die mittels einer Punktion aus dem Rückenmarkskanal entnommen wird - bestimmt werden. Bei einem positiven Nachweis spricht man von einer Neuroborreliose (Borreliose mit Befall des Nervensystems). Bei nur 30 % der Patienten mit Spätborreliose werden Antikörper im Liquor gefunden.
Bei den genannten Tests wird der Erreger selbst nicht nachgewiesen (indirekter Erregernachweis), sondern nur die Immunantwort gegen diesen. Verfahren für den direkten Erregernachweis sind die PCR (Polymerase-Chain-Reaction) und die direkte Anzucht (Kultur) des Erregers. Mit diesen Methoden lassen sich Erreger in Urin, Gelenkspunktat, Liquor, Gewebe und Haut finden. Eine Anzucht gelingt fast nie und das Ergebnis liegt erst nach Wochen vor. Die PCR ist eine vielversprechende Methode, die jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Das Ergebnis liegt nach 12 bis 24 Stunden vor.
Bei Verdacht auf Neuinfektion sollte die Labordiagnostik frühestens 4-8 Wochen nach dem Zeckenstich durchgeführt werden. Dieser Zeitraum wird für eine Immunantwort und somit zur Bildung von Antikörper benötigt. Beim Vorliegen einer Wanderröte sollte ein direkter Erregernachweis aus der Haut mittels PCR versucht werden. Des Weiteren sollte die Labordiagnostik in einem mit der Borreliendiagnostik vertrautem Labor durchgeführt werden.
Bei allen genannten Diagnoseverfahren schließt ein negatives Ergebnis eine Borreliose nicht aus (seronegative Borreliose). Letzte Zweifel darüber, ob eine Borreliose vorliegt oder nicht, können nicht ausgeräumt werden. Das gilt grundsätzlich für alle Stadien der Borreliose. Eine Borreliose, die keine typischen Krankheitsmerkmale zeigt, alleine am klinischen Symptombild und dem Verlauf zu diagnostizieren erfordert viel Erfahrung und weiterführende Ausschlussdiagnostik.
Um der Borreliose auf die Spur zu kommen, ist das Gesamtbild aus Vorgeschichte, Verlauf, Krankheitssymptomen und Laborergebnissen zu betrachten. Therapie
Die Therapie sollte stadien- und symptomgerecht mit wirksamen Antibiotika erfolgen, dabei gilt: Je früher therapiert wird, umso größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung.
Der „Startschuss“ für eine Antibiotikum-Therapie im Frühstadium ist die Wanderröte oder das Auftreten der Allgemeinsymptome nach erinnerlichem Zeckenstich. Auch bei negativen Laborergebnissen um mögliche Spätfolgen zu vermeiden!
Ein Hauptproblem bei der Therapie ist, dass die Borrelien sich in Körperregionen zurückziehen können und dort vom Antibiotikum schlecht erreichbar sind. Dadurch können ruhende Erreger (Persister) eine Therapie überdauern und später wieder aktiv werden. Deshalb sollte das verwendete Antibiotikum nicht unterdosiert und ausreichend lange verabreicht werden. Um vorhandene Persister zu eliminieren sind oft - vor allen Dingen in späteren Stadien - mehrere Therapiezyklen mit unterschiedlichen Antibiotika notwendig. Ein weiteres Problem sind Co-/Mischinfektionen mit anderen Erregern wie Babesien, Bartonellen, Chlamydien, Ehrlichien, Mykoplasmen, Rikettsien, Yersinien, Helminthen (Würmer), FSME-Viren, Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus und Herpes-Simplex-Virus, die nicht selten für eine Therapieresistenz verantwortlich sein können. Diese müssen bei der Diagnostik und Therapie unbedingt berücksichtigt werden.
Es gibt keine universell wirksame Antibiotikum-Therapie. Das eingesetzte Antibiotikum muss nach Erreger, Stadium, Symptomen, Wirkspektrum, Alter, Körpergewicht, erreichbarem Blutspiegel, Magen-Darm-Verträglichkeit und Medikamenten-Intoleranz ausgewählt werden.
Im Frühstadium ist eine Therapie mit oralem Antibiotikum meist ausreichend. Als Mittel der Wahl werden bei Erwachsenen Doxycyclin (2-3x100mg) und als Alternative Amoxicillin (3x0,5-1g) empfohlen. Bei Kindern Amoxicillin (50mg/kg Tagesdosis in 3 Einzelgaben) und als Alternative Cefuroxim (20mg/kg Tagesdosis in 2 Einzelgaben). Bei Schwangeren und Stillenden sollte grundsätzlich Amoxicillin oder Cefuroxim eingesetzt werden. Die Behandlungsdauer sollte mindestens 3-4 Wochen betragen.
In späteren Stadien wird eine kostenintensivere intravenöse Therapie empfohlen. Als Mittel der Wahl werden Cefotaxim (Erwachsene: 3x2g - Kinder: 200mg/kg in 3 Einzeldosen) oder Ceftriaxon (Erwachsene: 1x2-4g - Kinder: 1x50-100mg/kg) über mindestens 4-6 Wochen empfohlen. Mehrere Therapiezyklen, eine längere Behandlungsdauer oder eine Nachbehandlung mit unterschiedlichen oralen Antibiotika über mehrere Wochen bis Monate sind in den Spätstadien keine Seltenheit.
Frühestens 6-12 Wochen nach der Therapie sollte eine Therapiekontrolle durchgeführt werden. Dazu dient hauptsächlich das eventuell noch vorhandene Beschwerdebild des Betroffenen und die Labordiagnostik (Serologie). Für die Serologie sind der ELISA, IFT und Westernblot weniger aussagekräftig, da die Antikörper über längere Zeit bestehen bleiben (persistieren) können. Trotzdem sollten diese durchgeführt werden, um eine Veränderung der Antikörper zu protokollieren. Ein besseres Kontrollinstrument ist der LTT, der eine eventuell noch vorhandene Aktivität der Borreliose anzeigen kann. Wurde keine Aktivität nachgewiesen, ist eine erneute Kontrolle nach 3-6 Monaten oder bei erneutem Auftreten von Symptomen (Reaktivierung) und in späteren Stadien zusätzlich im Halbjahresrythmus, bis zu 2 Jahren, ratsam. Beratung und Selbsthilfe
Auch nach der Entdeckung der Lyme-Borreliose im Jahre 1982 besteht heute immer noch ein Wissensnotstand in der Diagnostik und Therapie dieser heimtückischen Infektionskrankheit. Folgen sind u. a. vermeidbare und schwer therapierbare fortgeschrittene Krankheitsverläufe, die Betroffene an unserem heutigen Gesundheitswesen zweifeln lassen und erhebliche Einbußen an Lebensqualität und Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit mit sich bringen können.
Als chronisch Betroffener, Mitglied in der Borreliose-Gesellschaft e.V. und unter dem Dachverband Borreliose Bund Deutschland e.V. angesiedelte ehrenamtliche Beratungsstelle, sehe ich meine Aufgabe darin mein erworbenes Wissen über die Borreliose und andere Zeckenerkrankungen an Betroffene und Interessierte weiterzugeben und zur Aufklärung dieser unzureichend (an)erkannten - und oft als harmlose "Modekrankheit" bezeichneten - Krankheit beizutragen.
Borreliose ist keine Modekrankheit, sondern ein Medizin- und Sozialskandal mit erheblichen volkswirtschaftlichen Kosten – und insofern auch ein Thema der Politik. Die ist allerdings derzeit mit anderen Themen voll beschäftigt, darunter paradoxerweise die Kostendämpfung im Gesundheitswesen. [Dr. phil. A. Püttmann, Dinslaken]
Den Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen wird des Öfteren vorgeworfen das Thema und die Lage zu dramatisieren. Die Realität zeigt aber, dass das Läuten der Alarmglocken berechtigt ist.
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